Vertrauliche Hilfe nach Gewalt

Das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer bietet von sexualisierter und häuslicher Gewalt Betroffenen jetzt als Partner des Projekts „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt" schnelle, unkomplizierte und diskrete Unterstützung. Initiatoren des landesweiten Projekts mit zurzeit neun beteiligten Kliniken sind das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration, das Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz und das Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz.

Nach einer Vergewaltigung oder anderer häuslicher Gewalt können sich Betroffene vertraulich medizinisch versorgen und die körperlichen Spuren der Tat gerichtsfest sichern lassen. Sollten sie sich später noch für eine polizeiliche Anzeige entscheiden, können diese gesicherten Spuren wichtige Beweismittel sein. Die „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ ermöglicht diese umfassende Versorgung auch ohne eine begleitende Strafanzeige. Das Angebot ist kostenlos und vertraulich. Betroffene sollten sich möglichst schnell an die Klinik wenden, weil körperliche Spuren zum Teil rasch verheilen.

Frauenministerin Katharina Binz betont: „Mit dem Projekt ‚Vertrauliche Hilfe nach Gewalt‘ haben wir in Rheinland-Pfalz ein Angebot geschaffen, das Frauen nach Gewalterfahrungen eines ermöglicht: schnell, kostenlos und vertraulich medizinische Hilfe zu bekommen und die Spuren der Tat sichern lassen zu können. Viele Betroffene verzichten bislang auf eine ärztliche Versorgung aus Angst, zu einer Strafanzeige gedrängt zu werden. Genau hier setzt das Projekt ‚Vertrauliche Hilfe nach Gewalt‘ an: es garantiert eine vertrauliche medizinische Versorgung samt Spurensicherung durch qualifizierte Fachkräfte, unabhängig davon, ob sich eine Frau für oder gegen eine Anzeige entscheidet. Dass sich das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer als achte Klinik an diesem Projekt beteiligt, stärkt das landesweite Angebot erheblich. Mein Dank gilt dem Engagement der Klinik, ihren Mitarbeitenden, dem Institut für Rechtsmedizin, den Frauenunterstützungseinrichtungen und allen Beteiligten, die dieses Angebot in Rheinland-Pfalz erst möglich machen. Das Frauenministerium unterstützt das Projekt insgesamt mit rund 280.000 Euro jährlich.“

Für die einheitliche, gerichtsverwertbare Spurensicherung steht ein maßgeblich vom Institut für Rechtsmedizin entwickeltes Untersuchungskit zur Verfügung. Nach der Asservierung wird es langfristig im rechtsmedizinischen Institut eingelagert.

„Künftig steht ein standardisiertes Verfahren zur Verfügung, mit dem Spuren sexualisierter und körperlicher Gewalt auf Wunsch frühzeitig, vertraulich und gerichtsfest gesichert und aufbewahrt werden können“, erläutert dies Dr. Cleo Walz, Oberärztin und Projektkoordinatorinvom Institut für Rechtmedizin. „Das einheitliche Vorgehen gilt sowohl für vertrauliche Spurensicherungen als auch für Fälle mit Strafanzeige. Mit diesem Modell nehmen wir auch im bundesweiten Vergleich eine besondere Stellung ein.“

Geschultes und sensibilisiertes Personal der Gynäkologischen Ambulanz und der Interdisziplinären Zentralen Aufnahme (IZA) übernimmt die Untersuchungen am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer. 

„Wir haben die Gynäkologische Ambulanz und die IZA als Anlaufstellen in unserem Haus vorbereitet, um Betroffenen an jedem Tag rund um die Uhr zuverlässig helfen zu können“, sagt Prof. Dr. Florian Schütz, Chefarzt Gynäkologie. „Bei der Untersuchung haben deren Bedürfnisse in dieser schwierigen Ausnahmesituation oberste Priorität.“ Seinem Team sei es wichtig, den Betroffenen sensibel und respektvoll zu begegnen.

„Wenn Betroffene es wünschen, vermitteln wir den Kontakt zu einer regionalen Unterstützungseinrichtung, die bei der Verarbeitung des Erlebten und bei der Entscheidung für oder gegen eine Anzeige beraten kann“, ergänzt Prof. Dr. Schütz.  In Speyer sind der Frauennotruf und das Frauenhaus in die „Vertrauliche Hilfe“ eingebunden.

Das Angebot richtet sich an Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, kann aber auch von allen anderen Menschen ab 14 Jahren genutzt werden, die von sexualisierter oder häuslicher Gewalt betroffen sind. Die Standorte der beteiligten Kliniken sind auf der Homepage des Projekts zu finden.