Unsere Geschichte

Das heutige diakonische Unternehmen hat verschiedene Wurzeln in der Pfalz und in Nordbaden. Wurzeln, die von Anfang an nahe beieinander lagen und von den gleichen Impulsen getrieben wurden.

In Folge der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhundert und zunehmender Mobilität nahm auch in der Pfalz und in Baden die Armut zu. Familien waren überfordert, Kinder und Pflegebedürftige blieben sich oft selbst überlassen. Die Kriminalität wuchs. Für einen großen Teil der Bevölkerung gab es keine Gesundheitsversorgung.

Menschen wie Johann Hinrich Wichern, Theodor und Friederike Fliedner, Amalie Sieveking und Florence Nightingale – die Gründergestalten der neuzeitlichen Diakonie – reisten genauso wie die Kaufleute quer durch Europa, um Antworten zu suchen, Ideen zu entdecken. Es waren Unternehmer und Ratsherren, adelige Damen und Pfarrfamilien, engagierte Bürgerinnen und Bürger. Sie waren Christen und zutiefst überzeugt, dass die Herausforderungen ihrer Zeit Herausforderungen an ihren Glauben waren. Deshalb rechneten sie damit, dass ihnen in den vernachlässigten Kindern, den allein gelassenen Kranken, den jungen Leuten im Gefängnis Gott selbst begegnen würde – so wie Jesus es im Gleichnis vom großen Weltgericht zugesagt hat: „Alles, was ihr getan habt meinen geringsten Brüdern, das habt Ihr mir getan.“ Hungernden zu essen geben, Durstige tränken, Fremde beherbergen und Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten – die Werke der Barmherzigkeit wurden zu Knoten in einem neuen sozialen Netz. Im Handeln Einzelner und in der Gründung sozialer Organisationen.
Cornelia Coenen-Marx

Der Beginn einer langen Tradition

Die Arbeit der Diakonissen in Speyer begann 1859 mit der Gründung der Evangelischen Diakonissenanstalt Speyer. Impulsgeber waren die Diakonissenmutterhäuser in Kaiserswerth bei Düsseldorf und in Straßburg. In Zeiten sozialer Not und Epidemien wie Typhus und Cholera sollten evangelische Schwestern kranke, alte und behinderte Menschen pflegen und Kinder betreuen und erziehen. Junge Frauen ließen sich im Mutterhaus in der Krankenpflege, seit der Übernahme der städtischen Kleinkinderbewahranstalt 1869 auch in der Kinderbetreuung ausbilden und waren aus der Kraft ihres Glaubens heraus für andere da.

Seit 1860 wurden Außenstationen gegründet, zunächst in Zweibrücken, später in Frankenthal, Pirmasens und Kaiserslautern. Diakonissen waren in zahlreichen Städten und Gemeinden über Jahrzehnte in der Gemeindekrankenpflege, in Kindergärten, Krankenhäusern und Heimen tätig. Mit wachsenden Aufgaben und einer größer werdenden Schwesternzahl wurde das Mutterhaus bald zu klein. 1885 ermöglichte Heinrich Hilgard, ein Speyerer, der nach Amerika ausgewandert war, durch großzügige Spenden den Bau des heutigen Mutterhauses. Darüber hinaus gab er aus seinem Vermächtnis Geld für den Bau des ersten Krankenhauses, das 1907 eingeweiht wurde.

Kindererziehung und Fürsorge in der Pfalz

In der Pfalz bildeten sich in unterschiedlich enger Verbindung zur Speyerer Diakonissenanstalt seit den 1850er Jahren an etlichen Orten unter der Bezeichnung "Innere Mission" lokale und regionale christliche Initiativen. Ihr Ziel war die Überwindung der Nöte von Kindern und Jugendlichen sowie von Handwerksgesellen und Fabrikarbeitern. Kennzeichnend war die enge Verknüpfung missionarischer Arbeit im Sinne des christlichen Glaubens mit Hilfestellungen angesichts der in der Folge der Industrialisierung entstandenen sozialen Probleme der Zeit. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Kindererziehung und der Fürsorge für Jugendliche.

Für eine nachhaltige Ausrichtung der Arbeit erwiesen sich die dezentralen Strukturen auf Dauer als ungeeignet. So kam es 1904 maßgeblich durch die Initiative des Vorstehers der Diakonissenanstalt, Professor Friedrich Krieg, zur Gründung des Vereins der Freunde der Inneren Mission in der Pfalz, des späteren Landesvereins für Innere Mission. 1905 wurde der Vereinssitz nach Neustadt verlegt.

Unsere Geschichtein der Übersicht

  • 1859 Gründung der Diakonissenanstalt Speyer.
  • 1860 Erste Gemeindestation in Zweibrücken wird eröffnet, um kranke und alte Menschen in den Gemeinden zu pflegen.
  • 1884 Das Mutterhaus und Krankenhaus in Mannheim wird gegründet.
  • 1885 Das jetzige Mutterhaus in Speyer wird eingeweiht.
  • 1899 Ein Kinderkrankenhaus in Speyer, das zwischenzeitlich als Kinderheim diente, wird errichtet und markiert den Beginn der Jugendhilfe der Diakonissen.
  • 1907 Das Diakonissen-Krankenhaus Speyer geht in Betrieb.
  • 1912 Das Krankenhaus am Luisenring in Mannheim wird eröffnet.
  • 1918 Übernahme des Kindergarten Karmeliterstraße in Speyer, der zur Ausbildungsstätte wird.
  • 1919 Die Arbeit mit behinderten Menschen beginnt im Schloss in Lachen.
  • 1928 Das Säuglingsheim mit Pflegeschule geht in Speyer in Betrieb.
  • 1937 Die Pflegeanstalt Bethesda in Landau wird gebaut.
  • 1951 Übernahme des Wolffstifts in Kirchheimbolanden.
  • 1961 In Mannheim entsteht ein neues Krankenhaus und Mutterhaus.
  • 1973 Die Fachschule für Altenpflege wird in Bethesda Landau eröffnet.
  • 1984 Die Senioreneinrichtung Haus am Schlossberg in Homburg/Saar geht in Betrieb.
  • 1996 Eröffnung des stationären Hospiz im Wilhelminenstift in Speyer.
  • 1998 Die Maudacher Werkstatt, eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung, wird in Ludwigshafen eröffnet.
  • 1999 Fusion zum Diakoniekrankenhaus Mannheim.
  • 2000 Die Senioreneinrichtung Haus am Germansberg in Speyer geht in Betrieb.
  • 2004 In Speyer fusioniert das Diakonissenkrankenhaus mit dem Stiftungskrankenhaus in der Spitalgasse zum Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus.
  • 2004 Die Diakonissenanstalt Speyer beteiligt sich am Diakoniekrankenhaus Mannheim und verschmilzt mit dem Diakonissenmutterhaus Mannheim.
  • 2006 Übernahme der Trägerschaft für das Seniorenstift Bürgerhospital in Speyer.
  • 2007 Die Diakonissen-Stiftung Speyer für Seelsorge und Betreuung wird gegründet.
  • 2014 Die Diakonissen Speyer-Mannheim werden Mehrheitsgesellschafter der Ökumenischen Sozialstation Donnersberg-Ost.

Vom Kinderspitälchen zum Krankenhaus

In Mannheim waren seit 1861 Karlsruher Diakonissen tätig und betrieben neben der Gemeindekrankenpflege ein Kinderspitälchen, aus dem das Krankenhaus erwuchs, mit dem 1884 das selbständige Mannheimer Diakonissenhaus begann. Schwestern wurden ausgebildet, die in 50 Stationen in Nordbaden in der Gemeindekrankenpflege tätig waren und in Krankenhäusern in Mannheim, Wertheim, Weinheim und Adelsheim.

So entstand seit 1859 in Speyer und seit 1884 in Mannheim jeweils aus einem kleinen Mutterhaus mit Krankenstube eine nahezu flächendeckende Versorgung von Kranken in der Pfalz und in Baden.

Die Diakonissen trugen eine einheitliche Tracht, lebten unverheiratet und erhielten anstelle eines Arbeitsentgelts ein Taschengeld sowie die Zusicherung, im Ruhestand im Mutterhaus versorgt zu werden. Daraus erwuchs eine große Freiheit, in der Nachfolge Jesu für andere da sein zu können. Ihre Lebensform strahlte aus auf die soziale Arbeit in den Orten, in denen sie tätig waren. Die Geschichte der Diakonissen ist ein Stück deutscher und europäischer Sozialgeschichte.

160 Jahre Hilfe für Menschen in Not

Diakonie geschieht im Alltag – beim Landesverein wie bei den Diakonissen. Beide verbinden nicht nur die geschichtlichen Anfänge, sondern vor allem der gemeinsame Auftrag, der im christlichen Glauben gründet: sich Menschen zuzuwenden, die der Hilfe bedürfen, mit Hand und Herz, Fachlichkeit und Liebe. Aus diesem Grund fusioniert im Januar 2019 der Landesverein für Innere Mission in der Pfalz mit den Diakonissen Speyer-Mannheim, um gemeinsam unter dem Namen Diakonissen Speyer Menschen zu helfen und darin ein gutes Zeichen zu setzen.