Buchvorstellung und Podiumsgespräch in Kooperation mit dem Landesbibliothekszentrum

Eine „asoziale” Pfälzer Familie – Stigmatisierung aus der NS-Zeit reicht bis in die Gegenwart

Eine Pfälzer Familie erfährt während der Weimarer Republik und in den Jahren unter der nationalsozialistischen Herrschaft ihren sozialen Abstieg. Alfons L. Ims stellt am 21. September 2022 um 19 Uhr im LBZ / Pfälzische Landesbibliothek sein Buch „Eine ‚asoziale‘ Pfälzer Familie. Wie in der NS-Zeit aus einem Sozialfall moralische Minderwertigkeit gemacht wurde“ vor.

Buchcover (Lux-Agentur & Verlag)

Die Buchvorstellung ist in ein Podiumsgespräch eingebettet. 

Auf dem Podium befinden sich mit Dr. Walter Rummel und Dr. Ulrich Baumann ausgewiesene Experten zu den Themen „Nationalsozialismus in der Pfalz“ und „als ‚Asoziale‘ und ‚Berufsverbrecher‘ verfolgte Menschen im Nationalsozialismus.

Autor Ims (Jg. 1949), jüngstes Mitglied der betroffenen Familiengeneration, zeichnet deren Schicksal in einer einzigartigen Studie nach. Er beschreibt, wie die Familie bereits in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Weimarer Republik zum Sozialfall wird. Eine dramatische Entwicklung erfährt sie mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Der Familie wird aufgrund ihrer sozialen Situation und früherer politischer Tätigkeit des Vaters ein Teil der kärglichen staatlichen Unterstützung entzogen. Entsprechend der rassenhygienischen Ideologie und der daraus resultierenden „Asozialenpolitik“ der Nazis werden die Familienmitglieder als „asoziale Volksschädlinge, moralisch minderwertig und angeboren schwachsinnig” behandelt. Die Folge: Die Mutter wird zwangssterilisiert, die Kinder entgehen teils nur durch Zufall der Vernichtung in den Euthanasieanstalten.

Umfangreiches dokumentarisches Material zeichnet auch den weiteren Verlauf des Schicksals der Familie nach. So zum Beispiel das Schicksal zweier Halbgeschwister, die Anfang 1939 vom Jugendamt Kaiserslautern zur „Fürsorgeerziehung“ in die Diakonissenanstalt Speyer gebracht werden, dort bis Ende 1941 verbleiben und erst Weihnachten 1951 zurück nach Hause kehren können. Noch heute hat ein Teil der Familie mit Stigmatisierung und Milieuverhaftung zu kämpfen.

Die Diakonissen Speyer haben die Recherche des Autors unterstützt, indem sie die Akten aus dem Mutterhausarchiv zugänglich gemacht haben. Dadurch wurden Recherchen in anderen Anstaltsarchiven möglich. Darüber hinaus unterstützen die Diakonissen Speyer die Publikation auch finanziell.


Über den Autor:
Alfons L. Ims, geb. 1949 in Kaiserslautern, Diplom-Mathematiker, vor seinem Ruhestand in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit tätig. Er ist seit etwa 10 Jahren in verschiedenen Gremien und Gruppen zu den Themen „Euthanasie", Zwangssterilisation und „Asozialenpolitik" der Nationalsozialisten engagiert. Der Autor der Familienbiographie lebt in Neckargemünd.

Zur Veranstaltung:
Datum: Mittwoch, 21. September 2022
Titel:  Eine „asoziale“ Pfälzer Familie. – Buchvorstellung und Podiumsgespräch Veranstalter: Landesbibliothekszentrum Speyer und Diakonissen Speyer Veranstaltungsort: Landesbibliothekszentrum / Pfälzische Landesbibliothek,
 Otto-Mayer-Str. 9, 67346 Speyer

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Podiumsgesprächs:

  • Ute Bahrs, Standortvertreterin Landesbibliothekszentrum / Pfälzische Landesbibliothek
  • Dr. Ulrich Baumann, stellvertretender Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie Projektleiter des Ausstellungsprojekts „Als ‚Asoziale‘ und ‚Berufsverbrecher‘ verfolgte Menschen im Nationalsozialismus“.
  • Alfons L. Ims, Autor der Familienbiographie Eine ‚asoziale‘ Pfälzer Familie. Diplom-Mathematiker i.R.  
  • Dr. Walter Rummel, ehemaliger Leiter des Landesarchivs Speyer
  • Oberin Sr. Isabelle Wien, Vorstandsvorsitzende der Diakonissen Speyer

Beginn: 19 Uhr

Eintritt frei