Tumore der Gallenwege und der Gallenblase

Tumoren der Gallenwege und der Gallenblase gehören zu den seltenen Tumorarten. Tumore der Gallenwege finden sich bei Männern etwas häufiger, Tumore der Gallenblase bei Frauen.

Dabei ist das Gallenblasenkarzinom oft mit Gallensteinen und chronischen Gallenblasenentzündungen vergesellschaftet. Gallenblasenkarzinome wachsen in die Leber ein und infiltrieren dabei zentrale Strukturen wie Hauptgallengänge, Leberarterie und Pfortader. Zudem kann es zu Absiedelungen (Metastasen) in der restlichen Leber, dem Bauchfell, der Lunge und Lymphknoten führen.

Die Diagnostik beinhaltet die Sonographie, die Endoskopie mit Röntgendarstellung der Gallenwege (ERCP: Endoskopische retrograde Cholangio-Pankreaticographie), ggf. Bürstenabstrich aus dem Tumorbereich zur zytologischen Untersuchung und Sicherung der Diagnose) und die Endosonographie. Eine endosonographisch gezielt durchgeführte Gewebeentnahme (Feinnadelpunktion mit Histologie oder Zytologie) kann ebenfalls die Diagnose sichern. Als neueste Untersuchungsmethode ist auch die direkte Spieglung der Gallenwege möglich (Cholangioskopie), mit deren Hilfe eine gezielte Gewebeentnahme zur histologischen Sicherung des Tumors und eine exakte Bestimmung der Tumorausbreitung möglich sind. Computertomographie und Magnetresonanztomographie runden das diagnostische Spektrum ab.

In der Kombination ergeben diese Untersuchungen ein recht gutes Bild über die Ausdehnung der vorliegenden Tumorerkrankung.

Im Falle von Metastasen ist eine Heilungschance nicht mehr gegeben, die Therapie beschränkt sich auf Symptomlinderung und Hemmung des Tumorwachstums durch Chemotherapie. Zudem wird versucht, durch adäquate Zusatzernährung den Zustand der Patienten möglichst lange stabil zu halten.

Sind noch keine Fernmetastasen vorhanden, wird zum Teil durch sehr ausgedehnte und aufwändige Operationen mit Entfernung und mitunter auch Ersatz von zentralen Strukturen, unter Inkaufnahme des Verlustes größerer Leberanteile versucht, den Tumor möglichst komplett zu entfernen.
Selbstverständlich werden dabei auch alle Lymphknoten in der Leberpforte und am Oberrand der Bauchspeicheldrüse entfernt. Im Anschluss an die Operation erfolgt in der Regel eine Chemotherapie.

Die Entscheidung, welchen Therapieweg man wählt, fällt bei uns in der wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenz in der alle Patienten vor einer möglichen Therapie anhand ihrer Befunde vorgestellt werden, um möglichst alle Aspekte einschließlich des Allgemeinzustandes des Patienten zu berücksichtigen.

Gallengangstumore können an allen Gallenwegen entstehen, sowohl in der Leber als auch in den großen Gängen außerhalb der Leber. Die Diagnostik ist quasi identisch zu der bei den Gallenblasentumoren beschriebenen weiter oben in diesem Kapitel.

Tumore in der Nähe der Mündung des Gallengangs in den Zwöffingerdarm (Duodenum) werden im Falle der Operabilität identisch zu Bauchspeicheldrüsenkopfkarzinomen operiert. Diese Tumore haben, da sie recht früh zum Symptom der Gelbsucht führen und damit relativ zeitnah diagnostiziert werden, die beste Prognose der Gallengangskarzinome. Tumore der Gallengänge, etwa zwischen der Mündung des Gallenblasenganges in den Hauptgallengang und der Aufteilung in den rechten und linken Lebergallengang, werden nach einer Einteilung durch den Erstbeschreiber der Klassifikation, als sogenannte Klatskin-Tumoren bezeichnet. Im Falle der Operabilität erfolgt hier die Resektion der Gallenwege und bei Infiltration auch die Resektion und ggf. der Ersatz umliegender Strukturen wie der Leberarterie und der Pfortader. Da diese Tumore leider gerne innerhalb der Gallengangswände sehr weit in die Leber wachsen, muss oft ein Leberlappen entfernt werden und eine Dünndarmschlinge zur Einleitung der verbleibenden zentralen Gallenwege verwendet werden. Ist eine Resektion (Entfernung) nicht mehr möglich, erfolgt die Einlage einer Gallengangsprothese auf endoskopischem Weg (TPCD= transpapilläre Choledochusdrainage) oder über die Leber (PTCD=perkutan transhepatische Choledochusdrainage). Zusätzlich erfolgt eine Chemotherapie, um das weitere Tumorwachstum zu hemmen.