Ösophaguskarzinom

Beim Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) werden 2 unterschiedliche Formen unterschieden:

  • Zum einen das Plattenepithelkarzinom, welches aus Zellen der Speiseröhren-Schleimhaut entsteht.
  • Zum anderen Adenokarzinome, die aus einer sog. Barrett-Schleimhaut der unteren Speiseröhre oder aus Drüsenzellen im Bereich des Mageneingangs entstehen.

Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein ungefähr 25-30 Zentimeter langer, elastischer Muskelschlauch, der die Mundhöhle mit dem Magen verbindet und in erster Linie für den Nahrungstransport zuständig ist. In die Schleimhaut sind Drüsenzellen eingelagert, die mit ihrem Sekret die Speiseröhre feucht halten und so das Schlucken erleichtern.

Speiseröhrenkrebs entsteht, wenn Zellen der Speiseröhrenschleimhaut entarten und zu Krebszellen werden.

Beide Formen von Speiseröhrenkrebs führen  durch Verlegung des Lumens zu Schluckbeschwerden und können Absiedelungen (Metastasen) in Lymphknoten und anderen Organen des Körpers, wie der Leber oder Lunge bilden.

Das Plattenepithelkarzinom (40%) entsteht aus den Deckzellen (Epithel) der Speiseröhre.

Das Adenokarzinom (60%) entsteht aus Drüsenzellen im unteren Teil der Speiseröhre am Übergang zum Magen Speiseröhrenkrebs. Häufig ist auch ein sog. Barrett-Ösophagus nachweisbar, der einer Umwandlung der Schleimhaut von Plattenepithel zu einem drüsigem Epithel entspricht (sog. Metaplasie). Die Entstehung eines Barrett-Ösophagus ist häufig mit der Refluxerkrankung (Sodbrennen, Rückfluss von Mageninhalt) in Zusammenhang zu sehen und kann der Umwandlung in bösartiges Gewebe um viele Jahre vorausgehen. Ein Barrett-Ösophagus gilt daher als Präkanzerose und bedarf regelmäßiger Kontrollen, da das sich daraus entwickelnde Barrett-Karzinom langsam entsteht und bei Früherkennung endoskopisch und ohne chirurgische Operation behandelt werden kann.

Risikofaktoren für die Speiseröhre sind wie bei anderen Tumorformen auch das Rauchen und Alkohol und zusätzlich die Refluxerkrankung. Hierbei führt das Zurücklaufen von Magensäure in die Speiseröhre zu chronischen Entzündungen.In Deutschland erkranken pro Jahr ca. acht von 100.000 Menschen. Männer sind deutlich öfter häufig als Frauen. Wie bei vielen Krebsarten sind die Heilungschancen beim Speiseröhrenkrebs vor allen Dingen davon abhängig,  in welchem Erkrankungsstadium die Diagnose gestellt wird.

Die Diagnose wird im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung, der Speiseröhren- und Magenspiegelung (Endoskopie) mit Entnahme von Proben aus dem verdächtigen Bezirk gestellt.  Dabei können  spezielle Anfärbungetechniken  der Schleimhaut während der Spiegelung (Chromoendoskopie) verdächtige Bezirke hervorheben.

Wenn sich die Speiseröhrenkrebs-Diagnose bestätigt hat, sind meistens weitere Untersuchungen erforderlich, um die Größe und Ausdehnung des Tumors besser beurteilen zu können. Dabei kommen zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen, die Endosonographie, eine Computertomografie (CT) und/oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz. Ziel dieser Untersuchungen ist es, die Ausdehnung des Tumorleidens zu bestimmen und damit zur Wahl der optimalen Therapie beizutragen.

Solange der Tumor auf die oberste Schleimhautschicht begrenzt ist und noch keine Absiedlungen in der Leber, der  Lunge oder anderen Organen  des Körpers gebildet hat, ist es unter Umständen möglich, den Tumor durch endoskopische Maßnahmen (endoskopische Resektion bei Barrett-Früh-Karzinom) [Link] zu behandeln oder aber den befallenen Teil der Speiseröhre und die dazugehörigen Lymphknoten im Rahmen einer Operation zu entfernen (chirurgische Resektion). Der entstehende Defekt wird dadurch überbrückt, dass der Magen nach oben verlagert und an den oberen Anteil der Speiseröhre genäht wird. Bei weiter fortgeschrittenen Tumoren wird in der Regel vor einer Operation eine Strahlen-Chemotherapie (Radiochemotherapie) durchgeführt und anschließend nach die Operation nochmals eine Chemotherapie.  Bei der Wahl der Therapie wird immer der Gesamtzustand des Patienten mitberücksichtigt.

Wenn der Tumor der Speiseröhre sich bei der Diagnosestellung noch in einem sehr frühen Stadium befindet und noch keine Metastasen gebildet hat, ist ein guter Verlauf zu erwarten. Nach endoskopischer Resektion von Frühkarzinomen entspricht das langfristige Überleben sogar dem der gleichaltrigen gesunden Normalbevölkerung.

Problematisch ist, dass viele Ösophaguskarzinome nicht in diesem frühen Stadium diagnostiziert werden, da der Krebs zu diesem Zeitpunkt noch keine Symptome verursacht. Wenn die ersten Beschwerden auftreten, ist der Tumor meistens schon sehr groß, ist in die umliegenden Gewebe hineingewachsen und hat Tochtergeschwulste in den Lymphknoten gebildet. In diesen Fällen ist die Prognose naturgemäß schlechter. Dennoch ist es in den letzten Jahren gelungen, die Überlebenswahrscheinlichkeit durch auf die verschieden Stadien abgestimmte Behandlungskombinationen zu verbessern.