Magenkarzinom

Bei Magenkrebs (Magenkarzinom) handelt es sich um eine bösartige Tumorerkrankung des Magens.

Sie geht meist von den Magensaft-bildenden Drüsenzellen aus. Magenkrebs ist eine Tumorart, die meist Menschen über 50 Jahren trifft. Die Erkrankung wird häufig erst spät erkannt. Je früher Magenkrebs aber entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Bei Magenkarzinomen entarten Drüsenzellen der Magenschleimhaut, die den Magensaft bilden. Es entsteht ein sogenannte Adenokarzinom.

Das Auftreten von Magenkrebs ist in den letzten Jahren rückläufig. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. So ist der Magenkrebs bei Männern die fünfthäufigste, bei Frauen die sechsthäufigste Krebsart.

Magenkarzinome wachsen kontinuierlich durch die Magenwand und können umliegende Organe befallen. Daneben sind Absiedelungen in Lymphknoten und auch in anderen Organen wie der Leber, der Lunge und dem Bauchfell häufig.Bei Verdacht auf Magenkrebs (z.B. bei Erbrechen von Blut, Absetzen von Teerstuhl, Gewichtsverlust, Oberbauchbeschwerden) sollte zunächst eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt werden. Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Magen von innen, also die Schleimhaut beurteiltet werden. Zudem werden Gewebeproben (Biopsie) entnommen.

Die Tumormarker im Blut werden bei Magenkrebs allein zur Verlaufskontrolle genutzt. Gelegentlich auftretende Tumormarker (Magenkarzinom) sind: CEA (Carcinoembryonales Antigen), CA-72-4, CA 19-9 (CA= Cancer Antigen).

Aufschlussreich bei Magenkrebs kann eine Ultraschall-Untersuchung des Magens und der umliegenden Organe sein. Sie kann in Form der Endosonographie durchgeführt werden, indem ein dünner Schlauch mit einem Schallkopf und einer Kamera an der Spitze durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt wird, wie bei einer Magenspiegelung. Mit dieser Untersuchung kann festgestellt werden, welche Gewebeschichten vom Magenkrebs betroffen sind. Eine allgemeine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums von außen über die Bauchdecke ist für die Suche nach Metastasen erforderlich.

Standardmäßig erfolgt bei uns eine Computertomographie des Bauchraumes und der Brustorgane um Metastasen möglichst sicher ausschließen bzw. nachweisen zu können.

Die Kombination der genannten Untersuchungsmethoden (Gastroskopie, Sonographie, Endosonographie und Computertomographie) zeigt mit hoher Sicherheit das Tumorstadium in dem der Patient sich befindet, was für die Therapieplanung von großer Wichtigkeit ist. Verbleibt dennoch eine Unsicherheit, wird in einer kurzen Narkose eine Bauchspiegelung durchgeführt bei der der Bauchraum direkt über eine Optik mit mehrfacher Vergrößerung eingesehen wird und gegebenenfalls auch Proben entnommen werden. Bei all diesen Untersuchungen ist von Bedeutung, dass hier immer mit den neuesten Gerätschaften gearbeitet wird, da sich die Auflösungsqualität der Medizinischen Geräte in den letzten Jahren deutlich verbessert hat

Die Therapiemaßnahmen sind vom Magenkrebs-Stadium abhängig.

Nur sehr selten werden Magenkarzinome in einem so frühen Stadium entdeckt, dass sie mit ausschließlich endoskopischen Methoden (endoskopische Resektion bei Magenfrühkarzinom) [Link] erfolgreich behandelt werden können. Die hierzu angewandten Methoden entsprechen der o.g. Beschreibung des Barrett-Karzinoms.
 

Da die Therapie des fortgeschrittenen Magenkarzinoms multimodal geworden ist, das heisst, es werden Therapiemaßnahmen aus verschiedenen medizinischen Fachgebieten kombiniert angewendet, werden bei uns alle Patienten mit der Diagnose eines Magenkrebs vor Beginn einer Therapie im wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Tumorboard (Tumorkonferenz) anhand der Unterlagen mit Röntgenbildern und den übrigen Befunden ausführlich besprochen. Hier wird ein den Leitlinien der Fachgesellschaften entsprechender, den individuellen Verhältnissen der Patienten angepasster Behandlungsplan erstellt. Bei sehr frühen Tumorstadien ist eine endoskopische Abtragung im Rahmen einer Magenspiegelung ausreichend. Hat der Tumor die Muskelschicht des Magens erreicht, ist eine operative Therapie erforderlich, unter Umständen gefolgt von einer Chemotherapie. Hat der Tumor die Außenschicht des Magens erreicht oder sind nach den Untersuchungsergebnissen Lymphknotenbefallen besteht die Indikation zunächst eine Chemotherapie, dann nach einer Pause von 4-6 Wochen eine Operation und danach eine konsolidierende Chemotherapie durchzuführen. Je nach Lage des Krebses im Magen kann auch statt der alleinigen Chemotherapie eine kombinierte Radio-Chemotherapie (Strahlen-Chemotherapie) sinnvoll sein.

Bei weiter fortgeschrittenem Magenkrebs sollte eine teilweise bis vollständige Entfernung des Magens (Magenresektion) erfolgen. Damit eine Nahrungspassage weiterhin möglich ist, wird der verbleibende Magenrest beziehungsweise die Speiseröhre (bei vollständiger Magenentfernung) direkt mit dem Dünndarm verbunden. Dabei werden alle Lymphknoten entfernt, die am Magen, den großen Oberbauchgefäßen wie der Leberarterie, der Milzarterie und an der unmittelbar benachbart befindlichen Bauchspeicheldrüse liegen entfernt (Sog. D2/D3 Lymphadenektomie). In geeigneten Fällen operieren wir diese großen Eingriffe minimal invasiv, das heißt in „Schlüssellochtechnik“ mit 4K-Optiken und speziellen Methoden zur Sichtbarmachung von Lymphknoten (Indocaningrün- Fluoreszenztechnik). Bei Patienten, die konventionell über Bauchschnitt operiert werden müssen, werden neben der Indocayningrpün-Fluoreszenztechnik unter Zuhilfenahme von Lupenbrillen operiert, um möglichst exakt zu arbeiten.
 

Nach einer Magenresektion können anfangs die Verdauungsfunktion und Nährstoffverwertung beeinträchtigt sein. Daher ist ein Gewichtsverlust von 4-11% keine Seltenheit. Dieser Gewichtsverlust hört nach ca. 6 Monaten meist von alleine auf. Zur Verbesserung der Verdauung werden oft Verdauungsenzyme zu den Mahlzeiten gegeben. Die Zufuhr von Vitamin B12 erfolgt nach kompletter Magenentfernung (totale Gastrektomie) über durch den Hausarzt verabreichte Vitaminspritzen im Abstand von 8-12 Wochen, da nach kompletter Magenentfernung der im Magen gebildete Intrinsic Factor, der zur Aufnahme von Vitamin B12 erforderlich ist, nicht mehr vorhanden ist. Ansonsten könne sich aber Magen resezierte Patienten weitgehend normal ernähren, wobei sorgfältiges Kauen und öfter eingenommene kleinere Mahlzeiten förderlich sind.

In manchen Fällen ist der Magenkrebs so weit fortgeschritten, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Dann ist eine Operation zur Tumorentfernung oft nicht mehr sinnvoll und bringt dem Patienten neben dem Operationsrisiko keinen Vorteil, In diesen Fällen versucht man das Tumorwachstum über eine Chemotherapie zu hemmen, um so die Lebensqualität und die Lebenszeit der Patienten zu verbessern. Da oft die Nahrungsaufnahme durch den Tumor gestört wird, erfolgt meist die Implantation eines Portsystems um hier Nährstoffe und Flüssigkeit in ausreichender Menge zuführen zu können. Damit lässt sich oft die den Patienten störende Schwäche wirksam bekämpfen. Durch die enge Verzahnung des ambulanten mit dem stationären Sektor in unserem Zentrum werden die Patienten bei Zustandsverschlechterungen auf unsere Palliativstation aufgenommen, wo es oft gelingt, durch speziell abgestimmte Therapiemaßnahmen eine Rückkehr in das häusliche Umfeld zu ermöglichen. Verständlich ist die Angst vieler Patienten, im Rahmen ihrer Erkrankung unter starken Schmerzen leiden zu müssen. Sowohl im Rahmen von Operationen als auch im Verlauf der weiteren Therapie sind unsere speziell ausgebildeten Schmerztherapeuten mit individuell erstellten Behandlungsplänen und Maßnahmen in der Lage auch starke Schmerzen in den Griff zu bekommen und so die Lebensqualität der Patienten maßgeblich zu verbessern. So ist die Schmerztherapie ein zentraler Bestandteil sowohl während der stationären aber auch in der ambulanten Behandlungsphase.

Als neuerer Behandlungsansatz können neben einer Chemotherapie Antikörpertherapien, die speziell gegen Tumorzellen gerichtet sind, zum Einsatz kommen.