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Freitag, 17. November 2017


Qualitätsoffensive im Kampf gegen multiresistente Erreger bei Neugeborenen

Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus

Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer führt Routineuntersuchung bei Schwangeren ein.

Werdende Mütter, die ihr Baby im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer zur Welt bringen möchten, werden künftig bereits vor der Geburt auf MRSA-Bakterien untersucht. „Ich bin stolz, dass wir diesen in der Geburtsmedizin noch sehr innovativen Weg gehen“, sagt der Ärztliche Direktor Priv.-Doz. Dr. Dirk Jentschura. „Patientensicherheit steht bei uns an erster Stelle.“ In anderen Bereichen wie z.B. der Chirurgie sei es bereits üblich, Patienten bei der Aufnahme in die Klinik auf multiresistente Erreger zu untersuchen. „Das alles dient dem Schutz der Babys, vor allem der Frühchen, deren Immunsystem noch besonders schwach ist.“

Wie wichtig eine solche Untersuchung sein kann, wird aktuell noch einmal deutlich: Fünf Babys auf der Frühchenstation des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer tragen einen MRSA-Keim auf der Haut. Keines der Babys zeigt Krankheitssymptome. „Alle Kinder sind stabil und haben ein Gewicht von mehr als 1600 Gramm“, erklärt Dr. Axel Bosk, Chefarzt der Pädiatrie. „Ich gehe daher davon aus, dass die Kinder nicht an MRSA erkranken werden.“ Dennoch müsse man jetzt alles tun, um eine Ausbreitung des Keims zu verhindern. Die Kinder sind isoliert. Ärzte und Pfleger, die mit den Babys Kontakt haben, tragen die vorgeschriebene Schutzkleidung wie z.B. Kittel, Handschuhe und Mundschutz. Das wirke auf die Eltern der anderen Babys vielleicht etwas beunruhigend. Es handele sich aber um eine reine Routinemaßnahme. „Die Situation ist unter Kontrolle und es besteht aktuell keine besondere Gefahr für unsere kleinen Patienten“, beruhigt der Kinderarzt.

MRSA-Bakterien (Methicillin resistenter Staphylococcus aureus) sind Hautkeime. Bei Aufnahme ins Krankenhaus sind 1,5 bis 3% der Patienten in Deutschland mit MRSA besiedelt. Meist verursacht diese zunächst harmlose Besiedlung keinerlei Symptome. Nur bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können die MRSA-Bakterien zu Infektionen führen, die aber mit verschiedenen Antibiotika behandelt werden können. „Gerade Frühchen müssen vor Keimen geschützt werden“, erläutert Dr. Thomas Kienbaum, Leiter der Krankenhaushygiene „Deshalb machen wir sozusagen als Frühwarnsystem bei den Kleinen in der Neonatologie bei Aufnahme und dann wöchentlich vorsorglich Abstriche an verschiedenen Körperstellen“.

Bei diesen Routinekontrollen wurde nun eine Besiedlung bei Drillingen und zwei Einzelkindern festgestellt. „Das kommt hin und wieder vor, ist in dieser Häufung aber schon ungewöhnlich“, sagt der Hygieneexperte. „Für uns ist es daher ganz wichtig, den Übertragungsweg zu verstehen, um Hygieneprobleme z.B. durch mangelnde Händedesinfektion bei Ärzten und Pflegekräften ausschließen zu können“. Man habe die Eltern untersucht und festgestellt, dass eine Mutter bzw. ein Elternpaar und Geschwisterkinder das Bakterium auf der Haut tragen. „Diese vier Neugeborenen haben den Keim mit hoher Wahrscheinlichkeit von den Angehörigen bekommen“, stellt Kienbaum fest. Um diese Erkenntnis abzusichern, führen wir gerade Spezialanalysen durch. Bei einem Baby muss der Übertragungsweg anders verlaufen sein. „Die gemeinsame Nutzung eines privaten Stillkissen könnte die Ursache sein“, sagt der Hygieneexperte. Zu diesem Zeitpunkt könne aber auch nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass das MRSA-Bakterium über einen Mitarbeiter übertragen wurde. In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und der Mitarbeitervertretung sollen weitere Maßnahmen wie ein Personalscreening durchgeführt werden.

„Der wichtigste Schutz vor der Verbreitung von MRSA, aber auch von allen anderen Keimen, ist die Desinfektion der Hände“, macht Kienbaum deutlich. Das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer beteiligt sich daher bereits seit Jahren an der deutschlandweiten „Aktion Saubere Hände“, die die Verbesserung der Compliance der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen zum Ziel hat. „Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Wichtigkeit der Händedesinfektion sehr bewusst – wir sprechen das Thema ausführlich bei den Hygieneschulungen an und üben das ganz praktisch“, stellt der Hygieneexperte fest. „Um ganz sicher zu gehen, haben wir aber im betroffenen Bereich noch einmal auf die zentrale Bedeutung der Händedesinfektion hingewiesen.“  

Weitere Informationen zum Thema Hygiene finden Sie auch auf unserer Krankenhaushygiene-Seite.

Für Presseanfragen steht Frau Dr. Katja Jewski per E-Mail (katja.jewski@diakonissen.de) bzw. telefonisch (0160 94872896) zur Verfügung.

© Diakonissen Speyer-Mannheim