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Hüftgelenksersatz

Ist das Hüftgelenk nicht mehr durch konservative Maßnahmen wie Krankengymnastik, physikalische Therapie oder Spritzen ins Gelenk zu erhalten, gibt es die Möglichkeit, es durch ein künstliches Hüftgelenk zu ersetzen. Diese Operation wurde in den 1960er Jahren durch Sir John Charnley in England perfektioniert, mittlerweile werden allein in Deutschland jedes Jahr fast 200.000 Endoprothesen operiert, über zwei Millionen Menschen leben mit einem Kunstgelenk.

Zementfreie Hüfttotalendoprothese
Bei den meisten Patienten wird in der Regel ein zementfreier Totalersatz durchgeführt. Hierbei werden beide Verankerungsteile aus Titan nur im Knochen verblockt und wachsen im Knochen ein. Spezielle Instrumente erlauben eine genaue Präparation des Knochens und unterschiedliche Prothesengrößen und –designs erlauben eine maßgeschneiderte Auswahl des richtigen Implantats. Jede Operation muss individuell geplant und mit großer Sorgfalt durchgeführt werden. Wir planen jede Operation mit einer speziellen Software am Computer, um eine optimale Prothesenauswahl zu gewährleisten.

Kurzschaftprothesen
Kurzschaftprothesen können bei jüngeren Patienten eingesetzt werden, um eine knochensparende Operation zu gewährleisten. Der Vorteil von Kurzschaftprothesen liegt darin, dass sie durch einen kleineren Zugang eingebracht werden können. Hierdurch ist eine sogenannte minimalinvasive Implantation möglich. Außerdem ist die notwendige Knochenresektion (Knochenentfernung) am Oberschenkel geringer.

Schenkelhalserhaltende Prothese – Silent
Bei einer schenkelhalserhaltenden Prothese vom Typ Silent wird nur die Kugel des Hüftkopfes entfernt. Nach der Eröffnung des Schenkelhalses mit einem Bohrer wird der Schenkelhals konisch ausgefräst. In dieses Lager wird dann ein beschichtetes, raues Implantat eingepresst, das nur im Schenkelhals verankert wird. Diese Methode bietet den Vorteil, dass der Oberschenkelknochen weiter unterhalb nicht durch Metall ausgesteift wird und die Krafteinteilung fast wie im gesunden Knochen erfolgt. Im Falle einer Komplikation ist eine solch kurze Prothese außerdem mit deutlich geringerem Aufwand wieder zu entfernen und bietet so die Möglichkeit einer erneuten Implantation eines Standardschaftes.

Prothesenwechsel
Im Falle einer Prothesenlockerung, die entweder die Pfanne, den Schaft oder beide Komponenten betreffen kann, können die gelockerten Teile einzeln ausgewechselt werden. Bei einem Prothesenwechsel werden in der Regel längere Prothesenschäfte implantiert. Auch hier kann eine Auswahl aus mehreren Systemen getroffen werden, so dass eine optimal passende Prothese implantiert werden kann. Heute gibt es so genannte modulare Systeme, bei denen die Prothese aus Einzelteilen individuell zusammengebaut werden kann. Bei der Pfannenlockerung finden entweder größere Implantate oder Abstützringe Verwendung. Im seltenen Fall einer Prothesenlockerung ist ein Prothesenwechsel meist gut durchführbar.
Die Operationen sind in der Regel anspruchsvoller, dauern länger und sind mit einem wesentlich größeren Blutverlust verbunden als die Erstoperation. Die Nachbehandlung ist ähnlich wie bei der Erstoperation, meist ist aber eine längere Entlastung notwendig. Das Operationsrisiko ist insgesamt etwas höher.

Wie läuft die Operation ab?
Vor der Operation:
Für die Hüft-Totalprothesen gelten dieselben Richtlinien wie für den Großteil der Operationen am Bewegungsapparat. Bewegungserhalt, Kraftaufbau, Gehtraining und Gewichtsreduktion sind wichtige Ziele vor einer Operation und können das Ergebnis positiv beeinflussen.
Eine Eigenblutspende ist aufgrund des recht geringen Blutverlustes meist nicht notwendig.
Die eingenommenen Medikamente sollten normalerweise nicht abgesetzt werden, es gibt allerdings einige spezielle Medikamente, die vor der Operation nicht mehr eingenommen werden dürfen (z. B. Aspirin oder Marcumar). Dies wird in einem vorbereitenden Gespräch mit dem Patienten besprochen.
Narkose:
Die bei Hüftoperationen am häufigsten angewandte Narkoseform ist die Regionalanästhesie (sog. „Rückenmarksnarkose“), bei der nur Becken und Bein für vier bis sechs Stunden unempfindlich gemacht werden. Diese Anästhesieform wird von den Patienten geschätzt, da sie nicht das Bewusstsein verlieren. Durch die bei der Regionalanästhesie hervorgerufene komplette Erschlaffung der Muskulatur ist oft eine bessere Schonung der Weichteile durch den Operateur möglich. Die Komplikationsrate ist gering.
Damit die ungewohnte Atmosphäre im Operationssaal den Patienten nicht verängstigt, besteht die Möglichkeit, zusätzlich beruhigende Medikamente einzunehmen oder Musik zu hören. Alternativ kann natürlich jederzeit eine Vollnarkose durchgeführt werden. Sie werden im voroperativen Gespräch mit dem Narkosearzt gemeinsam das für Sie richtige Verfahren wählen.
Während der Operation:
Zunächst wird das Hüftgelenk für den Einsatz des Gelenkersatzes vorbereitet und der verschlissene Hüftkopf wird entfernt. Heute werden verbreitet minimalinvasive Operationsverfahren („Schlüsselloch-OP“) angewendet. Minimalinvasiv bedeutet hier aber nicht nur einen kleinen Hautschnitt von ca. 10-15 cm Länge, sondern auch die schonende Behandlung der Muskeln und Kapseln/ Bandstrukturen.
Es gibt verschiedene Ansätze und Verfahren, um das Hüftgelenk darzustellen. Es kann von vorn (anterior), seitlich (lateral) oder von hinten (posterior) zum Gelenk präpariert werden. Wir verwenden meist einen so genannten anterolateralen Zugang.
Nach der Operation:
Waren Operation und Narkose vollkommen problemlos, werden Sie nach einer kurzen Phase im Aufwachraum zurück auf die Station gebracht. Nur in seltenen Fällen werden Sie für eine Nacht zur Überwachung auf der Intensivstation aufgenommen.
Am nächsten Tag kann der Patient bereits an Unterarmgehstützen unter Anleitung eines Physiotherapeuten die ersten Schritte mit dem neuen Gelenk unternehmen. Nach fünf bis sechs Tagen sind die meisten Patienten so mobil, dass sie kaum noch Hilfe benötigen und weitgehend selbstständig an Gehstützen gehen können. Sie verbringen normalerweise etwa eine Woche im Krankenhaus, die Gehstützen können in der Regel nach sechs Wochen weggelassen werden.
Direkt nach der stationären Akutbehandlung leiten wir die Patienten meist für zwei bis drei Wochen in eine Rehabilitationsklinik weiter. Alternativ gibt es Einrichtungen, die eine ambulante Reha anbieten. Dies bietet die Möglichkeit eines kontinuierlichen, intensiven Trainings bei Unterbringung in häuslicher Umgebung.
Die Arbeitsunfähigkeit beträgt je nach körperlicher Belastung etwa acht bis zwölf Wochen, in einigen Fällen auch länger.
Komplikationen und Risiken:
Operationen haben Risiken, die jedoch insgesamt selten sind und durch gute Operationstechnik, gut verträgliche Materialien und spezialisierte Ärzte niedrig gehalten werden können.
Prothesenlockerung und Kontrolle:
Durch die tägliche Belastung des Kunstgelenks kommt es zum Verschleiß zwischen dem Hüftkopf und der Pfanneneinlage. Die dabei entstehenden Abriebspartikel können über viele Jahre zur Prothesenlockerung führen oder eine Entzündung verursachen, so dass sich der Knochen von der Prothese zurückzieht. Schmerzen treten meist langsam auf und oft wird die Lockerung erst im Röntgenbild erkannt. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Röntgenkontrolle nach der Operation wichtig.

© Diakonissen Speyer-Mannheim