Zu den Inhalten springen
Interner Bereich Raumbelegung
deutsch  english  türk  русский  pälzisch
Schriftgröße
Schrift größer

Hüftarthroskopie

Hüftschmerzen sind keine Seltenheit. Aber nicht alle Schmerzen im Bereich der Hüfte nehmen ihren Ursprung im Hüftgelenk. Aber wenn der Schmerzort das Hüftgelenk ist, dann ist eine Arthroskopie medizinisch sinnvoll.
In den letzten Jahren haben die Hüftgelenksspiegelung (Hüftgelenksarthroskopie) und die arthroskopische Chirurgie der Hüfte weltweit enorme Beachtung erfahren. Die seit vielen Jahren etablierten Verfahren der Knie- und Schulterspiegelungen werden in spezialisierten Zentren nun auch im Bereich der Hüfte eingesetzt. Knorpeltherapien, Labrumchirurgie und knochenkorrigierende Verfahren gehören mittlerweile zum Standard-Handwerkszeug eines Hüftarthroskopikers.

Schmerzursache intraartikulär
Schmerzursachen am Hüftgelenk können u. a. Labrumschädigungen (ähnlich einem Meniskusschaden am Knie), freie Gelenkkörper, Knorpelschäden oder Arthrose sein. Diese können durch akute Verletzungen oder chronische Überbelastung verursacht werden (z. B. beim Femoro-Acetabulären Impingement). Auch klassische Erkrankungen des wachsenden Skeletts gehören in diese Gruppe (z. B. Morbus Perthes oder Epiphyseolysis capitis im Kindesalter).

Schmerzursachen extraartikulär
Bei Hüftschmerzen können auch Strukturen außerhalb des Hüftgelenks für den Schmerz verantwortlich sein, z. B. Sehnen- oder Schleimbeutelentzündungen oder Muskelüberlastungen. Auch Rückenschmerzen können in die Hüfte und die Leiste ausstrahlen. In diesen Fällen ist eine Hüftgelenksspiegelung nicht sinnvoll.

Diagnostik
Die genaue Feststellung, welche Ursache die Hüftschmerzen verursacht, stellt eine Herausforderung für den Orthopäden und Sportmediziner dar. Vielfältige Krankheiten und Läsionen der Hüft-, Leisten- und Rückenregion können Hüftschmerzen verursachen. Um hier eine klare operative Indikation zu stellen, wird zunächst eine genaue Krankengeschichte erhoben.
Akute Schmerzen sind von chronischen Beschwerden zu unterscheiden. Akute Schmerzen treten häufig bei Sportlern auf, meist bei Leistungssportlern in jüngerem Alter. Ein akut auftretender Leistenschmerz bei Drehbewegungen im Hüftbereich wie sie zum Beispiel bei einem Zweikampf im Fußball, bei einem Tackling im American Football oder bei einer Abwehrbewegung in der tiefen Hocke eines Eishockey-Torwarts vorkommen, kann Hinweis auf einen akuten Labrumeinriss sein. Auch der Balletttänzer oder Kunstturner, der bei einer komplizierten Figur oder einem schwierigen Sprung plötzlich einschießende Schmerzen an der Innen- oder Vorderseite des Oberschenkels verspürt, hat sich möglicherweise das Labrum verletzt. Differentialdiagnostisch sind Muskelverletzungen der Hüftbeuger und Adduktoren von der Labrumverletzung abzugrenzen.
Zur weiteren Diagnosesicherung ist in erster Linie die klinische Untersuchung zu nennen: In Rückenlage werden Beuge- und Drehbewegungen am Hüftgelenk durchgeführt, um ähnlich wie bei der Meniskusuntersuchung am Knie z.B. ein Impingement (Einklemmen) des geschädigten Labrums zwischen Beckenrand und Oberschenkelknochen zu provozieren.
Wir führen darüber hinaus anschließend eine MR-Arthrographie des betroffenen Hüftgelenkes zur weiteren Diagnosesicherung und Feststellung des Ausmaßes der Verletzung durch. Hierbei spritzen wir unter Röntgen- oder Ultraschall-Kontrolle ein Kontrastmittel in das verletzte Hüftgelenk, damit im anschließenden Kernspintomogramm die injizierte Flüssigkeit in den Rissspalt eintreten kann und ihn dadurch sichtbar macht.

Therapie
Bei vorliegender Labrumläsion und andauernden Schmerzen ist die Hüftgelenksarthroskopie die Therapie der Wahl. Während der Operation wird je nach Rissform entschieden, ob eine Naht, eine Resektion oder eine Rekonstruktion sinnvoll ist.
Bei immer wieder auftretenden chronischen Schmerzen im Bereich der Hüfte ist zwar häufig auch das Labrum geschädigt, aber meist sekundär. Die primäre Ursache der Hüftbeschwerden ist häufig das femoro-acetabuläre Impingement, also das Anstoßen des Schenkelhalses am Pfannenrand. Hierbei tritt ein verfrühter Kontakt des Oberschenkelknochens mit dem Pfannenrand auf, weil entweder der Beckenknochen oder der Oberschenkelknochen oder beide einen Knochenvorsprung aufweisen, der dort zu viel ist. Diese Vorsprünge können angeboren oder durch häufige mechanische Belastung entstanden sein. Auf Dauer kann es durch diesen pathologischen Kontakt zu Schmerzen, Schleimhautentzündungen, Labrumschädigungen und Knorpelschäden kommen, deshalb gilt das femoro-acetabuläre Impingement (FAI) als Präarthose: Durch eine Gelenkspiegelung können die überschüssigen Knochenvorsprünge in den meisten Fällen abgetragen werden und eine freie Beweglichkeit der Hüfte wieder hergestellt werden. Langfristig soll dadurch die Arthroseentstehung verzögert oder verhindert werden.
Die Labrumverletzung und das femoro-acetabuläre Impingement stellen weltweit die häufigste Indikation für eine Hüftarthroskopie bei Hüftbeschwerden dar. Die Durchführung ist technisch anspruchsvoll und aufwendig.

Hüftarthroskopie
Das Hüftgelenk besteht arthroskopisch betrachtet aus zwei Anteilen: einem zentralen und einem peripheren Kompartiment. Unterteilt werden diese durch das Labrum acetabulare, welches - vergleichbar mit dem Labrum der Schulter - das Acetabulum wie ein Schutzwall am Rand umfasst und das zentrale Kompartiment gegen das periphere Kompartiment abgrenzt.
Um in diesen zentralen Bereich des Hüftgelenkes zwischen Oberschenkelkopf und Hüftpfanne zu kommen, muss das Gelenk auseinander gezogen werden mit einem speziellen Operationstisch, auf dem der Patient gelagert wird.
Unter Röntgendurchleuchtung werden speziell für die Hüftarthroskopie entwickelte Instrumente über minimal-invasive Zugänge - wie bei einer Kniegelenksspiegelung - in das zentrale Kompartiment eingebracht.
Knorpelglättung, Mikrofrakturierung oder Abrasionsarthroplastik können dann bei Bedarf ebenso durchgeführt werden wie Labrumglättung, -teilresektion oder –Naht mit speziellen Fadenankern zur Stabilisierung des Labrums. Nach Durchführen dieser zentralen Operationsschritte wird das Bein umgelagert, von der Streckung in die Beugung. Durch Anlage neuer Spezialzugänge kann im peripheren Kompartiment gespiegelt und operiert werden. Hier finden sich in der Regel die oben genannten Knochenvorsprünge, die dann mit speziellen mikrochirurgischen Instrumenten abgetragen werden können. Unter arthroskopischer Sicht und unter Röntgenkontrolle kann intraoperativ das Beheben des mechanischen Hindernisses sofort funktionell überprüft werden.

Nachbehandlung
Aufgrund des abgetragenen Knochens könnte es bei verfrühter Vollbelastung zu einem Ermüdungsbruch des Oberschenkelknochens kommen, deshalb muss nach der Operation das entsprechende Bein für einige Wochen an Unterarmgehstützen teilbelastet werden. Zur Vermeidung von Verkalkungen sollte ein Medikament über einige Wochen postoperativ regelmäßig eingenommen werden. Mit entsprechender Physiotherapie wird die Hüftgelenkskapsel in den ersten Wochen nach der Operation vorsichtig aufgedehnt und die Muskeln schrittweise wieder an die Belastung herangeführt. Acht bis zehn Wochen nach Impingement- oder Arthrose-Operation und 12 bis 14 Wochen nach Labrumnaht oder - ersatz kann die Rückkehr zur ursprünglichen sportlichen Belastung wieder angestrebt werden.

© Diakonissen Speyer-Mannheim