Zu den Inhalten springen
Interner Bereich Raumbelegung
deutsch  english  türk  русский  pälzisch
Schriftgröße
Schrift größer

Es gibt verschiedene Formen der Inkontinenz. Im Nachfolgenden stellen wir Ihnen die Formen und deren Therapieansatzmöglichkeiten dar:

Harndranginkontinenz:
Harndranginkontinenz bedeutet Urinverlust, der von einem nicht unterdrückbaren Harndrang begleitet wird oder dem ein nicht unterdrückbarer Harndrang vorausgeht. Man kann unterscheiden zwischen einer primären Form, deren Ursache unbekannt ist, und einer sekundären Form mit bekannter Ursache. Diese Unterscheidung ist vor allem für die spätere Therapie wichtig.
Bei der primären Form kann nur symptomatisch behandelt werden, bei der sekundären Form ist eine kausale Therapie möglich, d. h. durch Beseitigung der zugrunde liegenden Störung kann die Harndranginkontinenz beseitigt werden. Typische Ursachen für die sekundäre Drangsymptomatik oder Inkontinenz sind Blasenentzündungen, ein Östrogenmangel in den Wechseljahren, die Radiozystitis, ein Blasentumor und eine interstitielle Zystitis.
Diagnostisch erfolgt zunächst einmal die genaue Erhebung der Krankengeschichte, dem schließt sich eine Ganzkörperuntersuchung an. Es folgen Urinuntersuchung, Ultraschalldiagnostik mit Perinealsonographie. Als spezielle Untersuchungsmethoden schließen sich dann eine Urodynamik und Blasenspiegelung an.
Unter Urodynamik versteht man die Untersuchung und Messung der funktionellen Abläufe im Harntrakt, durch die eine Beurteilung der Harnspeicherungs- und Harnentleerungsfunktion der Blase möglich wird. In der Hand des erfahrenen Untersuchers sind beide Methoden schmerzfrei.
Die Therapie von Patienten mit Harndranginkontinenz umfasst Miktionstraining, Toilettentraining, medikamentöse Therapie. Als speziellere Therapie kommen die EMDA-Therapie, Elektrostimulation, Injektion von Botulinum-Toxin in den Detrusor und spezielle operative Verfahren in Frage.
Beim Miktionstraining ist es das Ziel, zu kurze oder zu lange Miktionsintervalle so zu verändern, dass es zu keinem Urinverlust mehr kommt. Ein Miktionsintervall kann verlängert werden, in dem der Beckenboden bei Harndrang so lange angespannt wird, bis dieser verschwunden ist. Im Intervall kann dann die Toilette entspannt aufgesucht werden. Bei zu langen Miktionsintervallen wiederum ist es sinnvoll, die Blase regelmäßig nach der Uhr, z. B. alle 2 bis 3 Std. zu entleeren.
Ein Toilettentraining kommt bei Patienten in Frage, die zu keiner aktiven Mitarbeit mehr fähig sind. Durch regelmäßige Blasenentleerung kann das Auftreten eines starken Harndranges verhindert und so weitgehend Kontinenz erreicht werden. Dieses Training eignet sich vor allem bei betagten Patienten auch in Verbindung mit einer medikamentösen Therapie.

Medikamentöse Therapie:
Geeignet sind sog. Anticholinergika, die eine Kontraktion der Blasenmuskulatur verhindern können und damit die Blasenkapazität erhöhen und die Miktionsintervalle verlängern.
Unter der EMDA-Therapie versteht man eine elektrisch gesteuerte
Medikamentenverabreichung. Dabei kann ein spezielles Medikamentengemisch, das mit einem Katheter in die Blase instilliert wird, in tiefere Gewebsschichten wandern und ein chronisches Harndrangsyndrom bessern. Die Wirkung hält zwischen 6 Wochen und 3 bis 4 Monaten an und muss dann wiederholt werden.
Auch eine regelmäßig durchgeführte Elektrostimulation kann in bis zu 60 % der Fälle eine Harndrangsymptomatik bessern.
Bei Versagen der o. g. konservativen Therapie kann durch Injektion von Botulinum-Toxin in die Blasenmuskulatur eine Ruhigstellung der überaktiven Blase erfolgen. Diese Therapieform wird zurzeit in Deutschland noch off label angewandt, d. h. es handelt sich um ein bisher noch nicht zugelassenes Verfahren, das jedoch in speziellen Zentren als Therapieform angewendet werden kann und in einem sehr hohen Prozentsatz (90 %) zum Therapieerfolg führt. Sehr selten kann es dabei zu einer kompletten Lähmung des Blasenmuskels kommen, so dass der oder die Patient/in den Einmalkatheterismus sicher beherrschen muss, um in diesem Fall die Blase entleeren zu können. Die Wirkung der Therapie hält zwischen 3 und 9 Monaten an und kann dann beliebig oft wiederholt werden.

Operative Verfahren:   
Falls die o. g. Therapieformen alle versagen sollten, kommen spezielle operative Verfahren in Frage, die individuell gewählt werden müssen.


Harnbelastungsinkontinenz:
Die Harnbelastungsinkontinenz tritt bei körperlicher Anstrengung wie Husten, Niesen, Lachen, Laufen oder auch beim Aufstehen, z. B. aus einer liegenden Position heraus, auf. Dieser Form der Inkontinenz liegt eine Harnspeicherstörung als Folge einer Beckenbodenschwäche zugrunde. Risikofaktoren sind die Zahl vaginaler Geburten, mögliche Geburtskomplikationen (wie z. B. Zangengeburt), die Wechseljahre, eine Gebärmutterentfernung, Übergewicht, Rauchen, chronischer Husten und schwere körperliche Arbeit, um die wichtigsten zu nennen.
Da es erfahrungsgemäß nicht immer einfach ist, eine Harnbelastungs- von einer Harndranginkontinenz zu unterscheiden, muss auch hier die genaue Krankengeschichte erhoben werden. Wie bei der Harndranginkontinenz schließen sich eine Ganzkörper-, eine Urin-, eine Ultraschalluntersuchung an. Ergänzend empfiehlt es sich besonders bei Mischformen, also wenn eine Harndrang- und Harnbelastungsinkontinenz kombiniert vorliegen, eine Urodynamik und eine Blasenspiegelung durchzuführen.
Grundpfeiler der Therapie einer Harnbelastungsinkontinenz ist ein aktives Beckenbodentraining, das sich auch hervorragend als Prophylaxe eignet, damit sich eine Beckenbodenschwäche erst gar nicht zu einer schweren Harninkontinenz entwickeln kann. Wichtig ist, dass die Beckenbodenmuskulatur korrekt angespannt werden kann. Erfahrungsgemäß wird ein Beckenbodentraining oft falsch durchgeführt und leitet dann irrtümlich zu der Ansicht, dass es ja sowieso nichts nützt.
Das Training selber besteht vor allem aus Muskelkontraktionsübungen, bei denen die Therapiedauer, die Anspannungsdauer und auch die Dauer der Pausenintervalle festgelegt werden sollten. Technische Hilfsmittel, z. B. Kombinationsgeräte Biofeedback- und Elektrostimulation eignen sich hervorragend, um das Gefühl für den Beckenboden zu schulen die Beckenbodengymnastik korrekt durchzuführen. Bei einem Biofeedback-Verfahren wird die Beckenbodenanspannung mit Hilfe von z. B. visuellen Signalen bewusst gemacht. So weiß der Betreffende, dass er korrekt anspannt. Die Erfolgsrate liegt bei der Harnbelastungsinkontinenz I. Grades, also bei geringem Urinverlust, bei 80 % und bei der II. Grades bei 50 %, wobei hier der Befund zumindest verbessert werden kann.
Seit einiger Zeit gibt es auch ein Extracorporal magnetic innervation-Verfahren, bei dem die Patientin bekleidet auf einem Therapiestuhl sitzt. Im Stuhl ist ein Magnetkopf eingebaut, der Impulse erzeugt und fokussiert, die ungefähr 8 cm tief in den Beckenboden eindringen und die Muskulatur abwechselnd kontrahieren und entspannen. Die Kosten für diese Therapie werden von der Krankenkasse noch nicht übernommen.
Neu ist eine Therapie mit dem Vibrationstrainer Galileo 2000. Dabei handelt es sich um eine bewegliche Plattform, die mit einer variablen Frequenz von 5 - 30 Hz schwingt. Es kommt daraufhin zu schnellen Muskelkontraktionen auch der Beckenbodenmuskulatur, die sich als Vibrationen des gesamten Körpers äußern. In Verbindung mit einer aktiven Physiotherapie kann sich durch diese Behandlung die Belastungsinkontinenz deutlich verbessern.
Neben der Beckenbodengymnastik gibt es auch die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie. In Studien profitierte jede 2. Frau von einer solchen medikamentösen Therapie. Zu beachten sind jedoch mögliche unerwünschte Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit, die manchmal zum Therapieabbruch führen können.
Bei frustraner konservativer Therapie stehen auch hier verschiedene operative Therapiemöglichkeiten zur Wahl, die individuell gewählt werden müssen. Heute wird häufig ein spannungsfreies Band unter die Harnröhre gelegt, um ein Widerlager gegen den Urinverlust bei Belastung zu schaffen. Aber auch bei diesem Verfahren muss genau darauf geachtet werden, dass sich die betreffende Patientin auch dafür eignet.

 

Blasenfunktionsstörungen bei Multipler Sklerose:  
Fast alle Patienten mit Multipler Sklerose haben Blasenfunktionsstörungen. Meistens liegt eine Harndranginkontinenz, oft in Verbindung mit Restharn, vor. Folge des erhöhten Restharnes sind oft Blasenentzündungen.
Diagnostisch wird durchführt zum einen eine Ganzkörperuntersuchung mit neurologischem Status, eine Urinuntersuchung, ein Ultraschall mit Beurteilung der Nieren und des Restharnes. Zusätzlich empfiehlt sich die Durchführung einer Urodynamik, bei der die Druckverhältnisse in der Blase geklärt werden können.
Oberstes Ziel der Therapie ist das Erreichen von Kontinenz. Dazu wird eine medikamentöse Therapie mit einem sog. Anticholinergikum eingeleitet, das den Blasenmuskel ruhig stellt und so eine Harndranginkontinenz beseitigen kann. Sollten erhöhte Restharnmengen vorliegen, empfiehlt sich die Durchführung des intermittierenden Selbstkatheterismus zumindest 2 x täglich, morgens und abends. Daneben kann die Spontanmiktion noch durchgeführt werden. Diese Maßnahmen sollten begleitet werden von einer Langzeitprophylaxe gegen Blasenentzündungen. Der Selbstkatheterismus ist sowohl von Frauen wie auch von Männern einfach zu lernen und schmerzfrei durchzuführen. Voraussetzung ist eine intakte Handfunktion.
Eine neue Alternative bei möglichem Versagen der medikamentösen Therapie stellt die Injektion von Botulinum A-Toxin in den Blasenmuskel dar. Notwendig ist dazu die Durchführung einer Kurznarkose und ein stationärer Klinikaufenthalt von 3 Tagen. Injektion von Botulinum A-Toxin ist ein derzeit noch nicht zugelassenes Verfahren, das jedoch als off label use an einigen Zentren regelmäßig durchgeführt wird. Derzeit laufen multizentrische Zulassungsverfahren. 

Blasenentleerungsstörungen:
Blasenentleerungsstörungen äußern sich zum einen als Problem mit der Harnspeicherung. Symptome sind gehäuftes Wasserlassen tags und nachts, Harndrang und Urinverlust. Zum anderen äußern sie sich als Problem bei der Harnentleerung, bei der Harnstrahlabschwächung, Startverzögerung, Wasserlassen mit Hilfe der Bauchpresse und Restharn als Symptome auftreten. Häufigste Ursachen für Blasenentleerungsstörungen sind ein Diabetes mellitus, chronischer Alkoholismus, Schädigung der Nerven des Rückenmarkes, Bandscheibenvorfall, eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostataadenom) und eine Harnröhrenenge.
Als Diagnostik eignen sich eine genaue Erhebung der Krankengeschichte, ein Ganzkörperstatus, Ultraschalldiagnostik und eine Urinuntersuchung. Spezielle Diagnoseverfahren sind eine Blasendruckmessung (Urodynamik). Die Urodynamik untersucht und misst die funktionellen Abläufe im Harntrakt, bei der sowohl die Harnspeicherungs- und auch Harnentleerungsfunktion der Blase beurteilt werden können. Zum anderen schließt sich meistens eine Blasenspiegelung an.
Die Therapie hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. So muss bei einem bestehenden Prostataadenom und einer Harnröhrenenge eine chirurgische Sanierung erfolgen. Bei lange bestehenden Abflusshindernissen wie Prostataadenom oder Harnröhrenenge kann es zu einer Erhöhung des Restharnes in der Blase kommen, d. h. die Blase kann sich nicht mehr vollständig entleeren. Durch diese hohen Restharnmengen kann es zu einer chronischen Überdehnung der Blasenmuskulatur kommen mit der Folge, dass ihre Kontraktionskraft nicht mehr ausreicht, um eine Spontanmiktion zu ermöglichen. Falls dies der Fall ist, muss vor einer geplanten chirurgischen Sanierung zunächst eine Dauerableitung der Blase erfolgen, damit sich die Blasenmuskulatur evtl. wieder erholen kann. Falls dies nicht mehr möglich ist, muss die Blase per Einmalkatheterismus entleert werden.
Manchmal kann durch eine intravesikale Elektrostimulation ein verloren gegangenes Blasenfüllungsgefühl neu induziert und so eine Spontanmiktion wieder  ermöglicht werden.
  


Blasenfunktionsstörungen im Alter
Blasenfunktionsstörungen und insbesondere die Harninkontinenz sind infolge ihrer medizinischen, psychischen und sozialen Konsequenzen ein zentrales Problemen der älteren Bevölkerung.

Ursachen und Häufigkeit
Mindestens jeder 2.-3. ältere Mensch ist davon betroffen und die Inkontinenz liegt an 4. Stelle der Alterserkrankungen, die die Lebensqualität der Betroffenen am meisten einschränkt. Daher sollten die Patienten in der ärztlichen Praxis oder Klinik auf das Problem einer Blasenfunktionsstörung oder Harninkontinenz angesprochen werden.
Weitere Blasenprobleme im Alter sind immer wieder kehrende Blasenentzündungen, die oft die Inkontinenz verschlechtern, sowie ein vermehrtes nächtliches Wasserlassen (Nykturie).
Ursachen von Blasenfunktionsstörungen im Alter sind Alterungsprozesse im Gehirn, der Nervensteuerung und Muskulatur von Blase und Schließmuskel. Zusätzlich kommt bei Frauen ein Östrogenmangel und die Folgen von Schwangerschaften, Geburten oder Operationen hinzu. In der Regel zu wenig beachtete weitere Faktoren sind zudem bestehende Grunderkrankungen und deren Behandlung mit Medikamenten, die Nebenwirkungen auf Harnspeicherung oder -ausscheidung haben.

Abklärung
Der Umfang der Abklärung sollte sich individuell nach dem Symptomen, dem Alter und Allgemeinzustand und auch den Wünschen und Erwartungen, demnach dem Leidensdruck des Betroffenen richten. Grundlage für die Abklärung älterer Patienten mit Blasenfunktionsstörungen ist die Basisdiagnostik. Sie besteht aus einer gezielten Anamnese, klinischen Untersuchung, der Harnanalyse, einer Restharn¬bestimmung und dem Trink- und Blasentagebuch. Gerade beim alten Menschen müssen oft konkrete Fragen gestellt werden, die über Zeitpunkt, Ausmaß und möglicher Ursachen der Inkontinenz Auskunft geben. Wichtig sind die ausführliche medikamentöse und neurologische Anamnese und die Anamnese vorausgegangener Erkrankungen. Auch sollte der Leidensdruck evaluiert werden, da er die weiteren Massnahmen und therapeutischen Konsequenzen wesentlich mitbestimmt.

Therapiemöglichkeiten
Vorrangig ist eine gute Hilfsmittelversorgung damit sich der Betroffene sicher in seiner Umgebung bewegen kann und eine Umstellung evtl. Inkontinenz fördernder Medikamente.
Durch ein gezieltes Blasentraining und Toilettentraining kann die Inkontinenz gebessert werden.
Medikamente zur Blasendämpfung können die Blasenkapazität steigern, den Harndrang dämpfen und die Kontinenz verbessern.
Falls eine übermäßige nächtliche Urinproduktion vorliegt, lässt sich medikamentös (Desmopressin, z.B. Minirin) die Urinbildung reduzieren.
Bei Männern kann auch die medikamentöse oder operative Behandlung einer Prostatavergrößerung angezeigt sein.
Bei Schließmuskelschwäche ist auch bei der älteren und alten Frau durchaus die Operation mit einem spannungsfreien Band erfolgreich möglich.


Chronisches Blasenschmerz- und Harndrangsyndrom / Interstitielle Zystitis
Chronische Blasenschmerz- und Harndrangsyndrome sowie die interstitielle Zystitis (IC) stellen mit ihren oft quälenden Schmerzen und den sehr häufigen Toilettengängen tags und nachts für die betroffenen Patienten eine große Belastung dar. Oftmals haben die betroffenen Patienten bereits eine Odyssee hinter sich und haben sich schon bei einer Vielzahl von Ärzten vorgestellt, ohne dass man ihnen nachhaltig helfen konnte.

Häufigkeit und Ursachen
Chronische Schmerz- und Drangsyndrome sowie die IC können grundsätzlich bei Männern und Frauen jeden Alters und jeder Herkunft auftreten. Frauen sind jedoch häufiger davon betroffen.
Die Symptome können sehr vielfältig sein, typisch ist ein starker unerträglicher Harndrang, der zu häufigem Wasserlassen am Tag und in der Nacht zwingt. Nicht selten müssen die Betroffenen 60 Mal und mehr, davon oft 20 Mal in der Nacht zur Toilette, so dass keine erholsame Nachtruhe mehr möglich ist.
Ein Urinverlust besteht allerdings in der Regel nicht. Vielmehr treten bohrende oder schneidende Schmerzen in der Blase, Harnröhre und im gesamten Unterleib auf. Häufig finden sich zusätzliche Magen- und Darmbeschwerden, Muskel- und Gelenkschmerzen, Fibromyalgie, Allergien oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
Der chronische Blasenschmerz ist kein homogenes Krankheitsbild, sondern kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Die häufigsten Ursachen sind Harnwegsinfektionen, Infektionen der inneren Geschlechtsorgane, Verwachsungen im Unterleib als Folge einer OP, eine Chlamydieninfektion der Scheide, muskuläre Verspannungen im gesamten Beckenbodenbereich oder die sog. interstitielle Zystitis. Oft finden sich Veränderungen in der Blasenschleimhaut.  Auch psychogene Faktoren als Folge von sexuellen Problemen, Partnerschaftsproblemen oder traumatischen Erlebnissen wie sexuellem Missbrauch können zugrunde liegen. Zusammenhänge gibt es auch zu rheumatischen, allergischen oder Autoimmun-Krankheiten.

Abklärung
Vor einer Behandlung sollte nach möglichen Ursachen geforscht werden, die dann gezielt behandelt werden können. Neben ausführlichen Beratungsgesprächen und allgemeinen körperlichen Untersuchungen können Untersuchungen wie Blasendruckmessungen, Blasenspiegelungen ohne und mit Narkose, Blasendehnung oder zusätzlicher Gewebeprobeentnahme zur Diagnosesicherung nötig sein.
Therapeutische Möglichkeiten

Zielsetzung der Therapie ist eine Verringerung der vorhandenen Schmerzen oder eine bessere psychische Verarbeitung der Schmerzen sowie eine Reduktion der Toilettengänge, insbesondere in der Nacht. Da die meisten Patienten bereits eine Vielzahl von Behandlungsverfahren erhalten haben, lässt sich kein Standardbehandlungschema aufstellen. Vielmehr wird bei der Aufnahmeuntersuchung nach eingehendem Gespräch mit dem Patienten und der Durchsicht der vorliegenden Vorbehandlungsberichte ein individueller Plan zur Behandlung zusammengestellt. Der Effekt der durchgeführten Maßnahmen wird in regelmäßigen Abständen überprüft und bei Bedarf eine Anpassung vorgenommen.
Neben einer oft sehr langwierigen medikamentösen Therapie haben sich Spülbehandlungen der Blase mit speziellen, die Blasenschleimhaut regenerierenden Substanzen (Pentosanpolysulfat, Uropol S, Cystistat) bewährt.
Ergänzend können sich Änderungen der Ernährung, Reizstrombehandlung des Beckenbodens, natürliche Kohlensäurebäder, Wechselduschen, Massagen, Fangopackungen von Schulter-, Nacken-, LWS- und Harnblasenregion, Wassertreten, Biofeedback des Beckenbodens, Beckenbodengymnastik, Fußreflexzonenmassage, Rückenschule, Wirbelsäulengymnastik, Muskelrelaxation nach Jacobson, psychologische Einzelgespräche positiv auswirken.
Eine neue und sehr viel versprechende Therapie ist die EMDA-Therapie (Electro Motive Drug Administration). Dabei wird eine örtliche Betäubung (Lidocain) zusammen mit Cortison über einen Spezialkatheter in die Blase eingeführt. Durch die Zugabe von schwachem Strom wird erreicht, dass die Wirkstoffe in die tiefen Schichten der Blasenwand eindringen und nachhaltig wirken können. Eine Kombination mit zusätzlichen Blasenschleimhaut regenerierenden Medikamenten ist möglich. Diese Behandlung ist oft der letzte Ausweg aus der scheinbar auswegslosen Situation der Betroffenen, obwohl auch hier oft jahrelange regelmäßige Eingriffe nötig sind.
Auch die Injektion von Botulinum A Toxin in die Blasenmuskulatur kann den Schmerz und Drang in Einzelfällen lindern.

© Diakonissen Speyer-Mannheim